Pampasgras schneiden: im Frühjahr, nicht im Herbst
Aktualisiert: 21. August 2026
Pampasgras (Cortaderia selloana) wird einmal im Jahr geschnitten, und zwar im zeitigen Frühjahr, bevor der Neuaustrieb erscheint. Wie tief, dafür gibt es keine Zentimeterzahl: So tief wie möglich, ohne die jungen Triebe zu verletzen. Damit ist die eigentliche Frage schon beantwortet, denn bei diesem Gras entscheidet nicht die Schnitthöhe über das Ergebnis, sondern der Zeitpunkt.
Der Herbst ist ausdrücklich nicht gemeint. Und bevor Sie beginnen: Schutzbrille und feste Handschuhe. Die Blattränder sind scharf genug, um Schnittwunden zu verursachen.
Warum der Herbst der falsche Zeitpunkt ist
Ein Ziergras im Winter ist keine ungemachte Arbeit, sondern ein funktionierender Zustand. Laub und Fruchtstände sehen die kalte Jahreszeit über gut aus, und was in den Samenständen steckt, fressen die Vögel. Auch der NABU argumentiert in diese Richtung und weist darauf hin, dass die Halme von Stauden Insekten als Nistmöglichkeit dienen.
Der zweite Grund ist die Empfindlichkeit gegenüber Nässe. Die Bayerische Gartenakademie nimmt Pampasgras zusammen mit dem Orientalischen Lampenputzergras ausdrücklich von der Herbstpflanzung aus: Andere Gräser dürfen in Weinbaugebieten und auf durchlässigen Böden auch im Herbst gepflanzt werden, diese beiden nicht. Ihre Fäulnis-Warnung für einen nassen Winter gilt dabei frisch gepflanzten Gräsern, die noch nicht richtig gewurzelt haben. Dass man ein Gras, das im Herbst nicht einmal gepflanzt werden soll, in dieser Jahreszeit auch nicht aufschneidet, ist die Schlussfolgerung dieser Seite.
Wie tief der Rückschnitt gehen darf
Für Pampasgras nennt die Royal Horticultural Society einen jährlichen starken Rückschnitt im zeitigen Frühjahr und beschreibt das Maß nicht als Höhe, sondern als Grenze: so weit zurück wie möglich, ohne den Neuaustrieb zu beschädigen.
Das klingt vage, ist aber präziser als jede Zentimeterangabe, denn die zulässige Tiefe hängt davon ab, wie weit der Austrieb schon ist. Schneiden Sie früh, bevor sich etwas regt, kommen Sie sehr tief. Warten Sie bis in den April, begrenzen die jungen Triebe die Schere, und ein zu tiefer Schnitt kostet Sie den ersten Austrieb.
Die Angaben gehen allerdings auseinander, und zwar in beide Richtungen.
Bei Ziergräsern allgemein geht die LWG Veitshöchheim weiter als die Grenze am Austrieb: Sommergrüne und wintergrüne Gräser sollen bis auf den Boden zurückgeschnitten werden, rechtzeitig, bevor der Neuaustrieb einsetzt. Dieselbe Veröffentlichung unterscheidet allerdings drei Überwinterungstypen, einziehend, wintergrün und immergrün, und Cortaderia selloana gilt in der britischen Einstufung als immergrün.
In der anderen Richtung steht die Sortenbeschreibung der RHS zu Cortaderia selloana selbst. Dort ist von einem starken Rückschnitt gar nicht die Rede, sondern davon, die vorjährigen Blütenstände und abgestorbenen Blätter im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr herauszuschneiden und auszukämmen. Auch die Bayerische Gartenakademie kennt diesen sanfteren Weg: In ihrem Herbstbeitrag zu Gräsern heißt es, dass bei Immergrünen braun gewordene Halme und Blätter entfernt werden.
Damit liegen drei Angaben vor: bis auf den Boden, so tief wie möglich ohne den Austrieb, und auskämmen. Diese Seite folgt der mittleren, weil sie die Art beim Namen nennt und weil sie die beiden anderen nach oben und unten begrenzt. Diese Entscheidung ist die Einordnung dieser Seite; alle drei Angaben stimmen darin überein, dass der Eingriff vor dem Austrieb liegen muss.
Zur Größenordnung: Ausgewachsen erreicht Pampasgras 2,5 bis 4 m Höhe und 1,5 bis 2,5 m Breite. Der Rückschnitt eines alten Horstes ist entsprechend keine Zehnminutenarbeit.
Werkzeug, und warum die Schutzbrille dazugehört
Für die zähen Halme wird eine Astschere empfohlen. Beim Werkzeug endet die Empfehlung aber nicht: Schutzbrille und feste Handschuhe stehen im selben Zug, weil die Blattränder scharf sind. Das ist der Teil, den die meisten weglassen, und es ist der Teil, der die Verletzungen verhindert.
Als Abkürzung bietet sich das Abbrennen des Horstes an. Davon rät die RHS ab, weil dabei das Herz der Pflanze Schaden nehmen kann.
Über den Winter: stehen lassen, gegebenenfalls binden
Über den Winter ist für ein Ziergras nach Darstellung der Bayerischen Gartenakademie wenig zu tun: Der Horst wird gegebenenfalls gebunden, mehr nicht. Die beiden übrigen Handgriffe, die sie überhaupt nennt, fallen in andere Jahreszeiten, nämlich der Rückschnitt ins Frühjahr und das Gießen in Trockenzeiten. Pampasgras wird dort als eines von zwei Beispielen für das Zusammenbinden genannt.
Diese Seite empfiehlt, den Horst locker im oberen Drittel zusammenzubinden, sodass die Blätter nach außen abstehen und ein Dach bilden. Dass der gebundene Horst Regen und Schmelzwasser nach außen ableitet und damit die Nässe vom Herzen fernhält, ist die Schlussfolgerung dieser Seite; auch die Bindehöhe stammt nicht aus der Quelle.
Im Frühjahr wird die Bindung gelöst und der Horst geschnitten, in dieser Reihenfolge und am selben Tag.
Pampasgras im Kübel und auf dem Balkon
Im Gefäß gilt die Winterhärte der Art nur eingeschränkt. Die RHS stuft Cortaderia selloana als H6 ein, winterhart bis -20 bis -15 °C. Diese Angabe beschreibt aber die Pflanze, nicht das Gefäß: Im Kübel steht der Wurzelballen nicht im Boden, sondern von allen Seiten in der Luft. Dass die H6-Angabe deshalb nicht einfach auf den Kübel übertragbar ist, folgert diese Seite. Geschützt wird darum nicht die Pflanze, sondern der Topf.
Praktisch heißt das:
- Isolieren: Luftpolsterfolie, dickes Jutegewebe oder Wollvlies so um den Topf wickeln, dass Gießen weiterhin möglich bleibt.
- Oben und unten nicht vergessen: Auch Topfoberfläche und Topfboden gehören isoliert, am besten mit einer wasserdurchlässigen Jutescheibe.
- Untersetzer weg: Den Topfuntersetzer entfernen, damit der Topf nicht durch stehendes Wasser auffriert.
Jutegewebe, Jutescheiben und Vlies bekommen Sie im Gartencenter und im Baumarkt; für einen einzelnen Großkübel reicht meist eine Rolle.
Wenn der Horst innen kahl wird
Nach einigen Jahren werden große Gräserhorste in der Mitte kahl und treiben nur noch am Rand. Dann hilft kein Schnitt mehr, sondern nur das Teilen: Im Frühjahr wird der Horst ausgegraben und geteilt. Das ist zugleich der Zeitpunkt, zu dem Gräser ohnehin gepflanzt werden, denn das Frühjahr ist die beste Pflanzzeit für Gräser.
Rechnen Sie bei einem alten Pampasgras mit einem Spaten, einem scharfen Werkzeug für den Wurzelstock und mehr Kraftaufwand, als der Horst von außen vermuten lässt.
Wenn Sie im selben Zug noch eine Hecke vor sich haben: Für Kirschlorbeer gelten andere Regeln. Sie stehen auf der Seite Kirschlorbeer schneiden.
Eine Gegenüberstellung aller Arten, für die es auf dieser Website eine Schnittanleitung gibt, finden Sie unter Schneiden: wie weit bei welcher Pflanze.